von PETER BUDIG
22.02.2012
Tucher-Gelände: Die Bagger rollen an!
Ein Drittel des Brauerei-Areals an der Schwabacher Straße ist verkauft.
FÜRTH Tucher-Boss Fred Höfler hat schon vor Jahren seine Rückkehr an den Ort jahrzehntelangen Arbeitens angekündigt: „Wenn das Gelände der alten Tucher/Patrizier-Brauerei an der Schwabacher Straße bebaut ist, kaufe ich mir dort meinen Ruhestands-Wohnsitz", hat er beschlossen. Mit der Einschätzung, dass das 50.000 Quadratmeter große Areal bald ein begehrtes Juwel unter den fränkischen Wohnquartieren sein wird, ist er nicht allein. Wenn der alte Maklerspruch gilt, dass es drei Kriterien für den Wert einer Immobilie gibt, nämlich „Lage, Lage, Lage", dann ist das innenstadtnahe Areal mit der unverbaubaren Sicht ins Grüne entlang der Dambacher Straße ein besonders schillernder Edelstein.
Noch sind die alten Bierhallen an ein paar Autohändler und 20 weitere Klein-Gewerbler vermietet. Doch die Zeichen stehen auf Kündigung, Abriss, Verkauf, Bebauung. Fürths Citymanager Thomas Schier, der im kommenden Sommer nach dem WM-Erfolg 2010 zu gerne hier ein weiteres Public-Viewing zur Fußball-EM veranstaltet hätte, holte sich eine Absage beim Immobilienbesitzer Jannik Inselkammer in München.
Sein Generalbevollmächtigter Martin Leibhard von der INKA-Holding erzählt freimütig, dass die Verhandlungen zum Verkauf eines Drittels des Areals abgeschlossen seien, Einigkeit über den Preis bestehe und nur noch Vertragsdetails auszuhandeln seien. Der Käufer wird noch nicht verraten – aber Insider wissen, dass es sich wohl um die Nürnberger Schultheiss Wohnbau handelt. Mitarbeiter der Firma wollten davon gestern auf Anfrage jedoch (noch) nichts wissen. „Ich rechne mit Vertragsunterschrift Ende März, so dass schon im April der Abriss beginnen kann", prognostiziert Leibhard. Dann sollen entlang der Schwabacher Straße fünfstöckige Wohnhäuser in Blockform mit Innenhöfen entstehen. Auch Geschäfte, Praxen und Büros sind denkbar. „Zum Westen hin stuft sich die Bebaungsform ab", beschreibt der erfahrene Quartierentwickler die Pläne.
Edle Stadtvillen werden entlang der Dambacher Straße im Westen gebaut. Das denkmalgeschützte Sudhaus und das Malzgebäude bleiben stehen – und sind weiter im Besitz von Inselkammers INKA. Dort wird irgendwann wieder Bier in kleinen Mengen für eine edle Gaststätte gebraut – mit den neuesten geruchs-absaugenden Finessen, damit die Bewohner nicht wie früher durch stechende Malzausdünstungen behelligt werden. Ein Kindergarten, etwa 800 Wohnungen, ein neues, eigenes Viertel für etwa 1500 Fürther wird hier entstehen, „mit mehr Grün und freiem Raum zwischen den Gebäuden als zuvor", so Leibhard.
Vergleichbare Quartiere – etwa in der Südstadt die früheren Soldatenquartiere – hat in Fürth auch schon mal die P+P-Gruppe mit Erfolg entwickelt. Inhaber Michael Peter sagt nichts zum Thema, aber unter der Hand wird erzählt, dass er Inselkammer ein sehr weitreichendes Gesamtangebot gemacht habe. Aber Jannik Inselkammer, finanzstarker Münchner Großbrauer (Augustiner-Bräu) und Immobilienbesitzer, hatte alle Zeit der Welt. Jetzt werden noch für zwei Tranchen des Brauerei-Areals Käufer gesucht. P+P ist wieder mit im Rennen.
Also klingen Martin Leibhards Vorstellungen von der Zukunft des Areals ganz realistisch: April 2012 Abriss, ab Mai Erschließung von Straßen, Entwässerung, Strom und Gas, Rohbauten ab Herbst 2012 und Fertigstellung Mitte 2013. Da bleibt in der Tat kein Zeitfenster fürs EM-Schaun auf der Großleinwand.