Von MICHAEL REINER
07.02.2012
Dürer-Strei immer bizarrer
Die Nürnberger sollen das Bild 1971 beschädigt zurückgegeben haben
NÜRNBERG Der Streit um die Ausleihe von Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ wird immer bizarrer. Jetzt zoffen sich die Museums-Chefs in Nürnberg und München. Die Vorwürfe aus München sind gravierend: Die Nürnberger sollen das Bild aus dem Jahr 1500 nach der letzten großen Dürer-Ausstellung 1971 beschädigt zurückgegeben haben.
Klaus Schrenk, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, hat die Nürnberger mit diesen Vorwürfen überrascht (AZ berichtete). Bislang war es in dem Streit um die Ausleihe des Bilds immer nur um die ominöse Sperrliste gegangen. Auf der sind 113 Kunstwerke verzeichnet, die die Münchner Museen nicht ausleihen – auch der Pelzrock-Dürer. Doch mit dieser Argumentation konnten sie sich nicht durchsetzen. So wollen alle Parteien im Landtag, dass das Selbstbildnis für 102 Tage zur Ausstellung „Der frühe Dürer“ nach Nürnberg kommt.
Also legten die Münchner frech nach – und behaupteten auf einmal, die Nürnberger hätten den Dürer 1971 mit „einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten“ zurückgegeben. Was das Germanische Nationalmuseum (GNM) prompt zurückwies. Weder der damalige Kurator der Schau wisse von so einem Schaden oder gar einem Versicherungsfall, noch gebe es irgendwelche Akten darüber.
Gestern konterte Schrenk erneut. Er sei davon ausgegangen, dass die Nürnberger von ihrem Leihwunsch Abstand genommen hätten. Deshalb der späte Hinweis auf die Beschädigungen. Von denen gebe es Fotos in den Akten des Doerner Instituts. Darauf sei eine offene Fuge von zwölf Zentimetern Länge am unteren Bildrand zu sehen. Außerdem: Risse im Bildträger sowie versprödete Partien mit Farbverlusten in den dunklen Bildbereichen. Diese Schwarz-Weiß-Fotos (!), so eine Museumssprecherin zur AZ, seien jedoch von der Qualität her für eine Veröffentlichung nicht geeignet.
Und warum findet sich von alldem nichts in den Akten? Mehr dazu lesen Sie am Mittwoch, den 8. Februar, in der Printausgabe Ihrer Abendzeitung.