von MARKUS LÖSER und MATTHIAS HERTLEIN
08.02.2012
Occean versetzt Fürth in Ekstase
Kanadier trifft zum 1:0-Sieg in Hoffenheim – Boss Hack: „Ich will ins Pokalfinale nach Berlin!“
SINSHEIM Der 8. Februar 2012 wird einen festen Platz in der bislang knapp 109-jährigen Historie der SpVgg (Greuther) Fürth einnehmen. Gestern Abend gewann das 1996 mit dem TSV Vestenbergsgreuth fusionierte Kleeblatt mit 1:0 (1:0) bei Erstligist TSG Hoffenheim.
Der erstmalige Einzug in das Halbfinale des DFB-Pokal nach dem Goldenen Tor von Olivier Occean wird den angeblich „Unaufsteigbaren“ mit weit über zwei Millionen Euro inklusive TV-Prämie (1,75 Mio.) versüßt. Sehnlichster Wunsch von Manager Rachid Azzouzi vor der Auslosung am Samstag im ZDF-Sportstudio: „Die Jungs und unsere Fans hätten sich endlich mal ein Heimspiel verdient.“
So sieht es auch Mike Büskens: „Da wird es dann richtig brennen!“, versprach der Trainer, der, „seit ich in Fürth arbeiten darf, permanent stolz ist“ auf seine Jungs. „Sie spielen immer mit Leidenschaft und Herz, manchmal müssten sie noch mehr den Kopf einschalten.“ Grund: Die Konter gegen nur zehn Hoffenheimer, Marvin Compper hatte nach einer Tätlichkeit gegen Stephan Fürstner Rot gesehen (36.), wirkten oft wenig durchdacht.
Doch dann flogen auch bei Büskens „nach 90 nervenaufreibenden Minuten“ die Sicherungen raus. Ab in die Kurve, um vor den knapp 5000 mitgereisten und tonangebenden Fans ein wildes Freudentänzchen hinzulegen. Und in Fürth, in und um die Gustavstraße, machten die Daheimgebliebenen schon früh die eiskalte Nacht zum herzerwärmenden Tag.
Seine obligatorische Sachlichkeit legte auch Kleeblatt-Boss Helmut Hack beiseite: „Das ist ein ganz großer Moment für unseren Verein.“ Und wenn der Herr Präsident schon einmal seinen Gefühlen freien Lauf lässt, dann aber richtig. „Wir sind meinem großen Traum wieder ein Stück näher gekommen. Ich will ins Pokalfinale nach Berlin!“
Ohne ein einziges Gegentor sind die Fürther in die Runde der letzten Vier gestürmt. Für Kapitän Thomas Kleine keine Selbstverständlichkeit. Schließlich hatte es zuletzt in Dresden mit 1:3 ungewöhnlich viel in den Kasten und hinterher einiges auf die Ohren gegeben. „Wir haben den Charaktertest bestanden“, strahlte der Abwehrchef, „das war ein ganz hervorragender Auftritt von uns.“
"Die geilsten Augenblicke meiner Karriere"
Und wenn schon in Superlativen gefeiert wurde, durfte natürlich auch Fan-Liebling Stephan Schröck nicht fehlen. „Das waren die geilsten Augenblicke meiner Karriere. Und für Fürth seit der letzten Meisterschaft bestimmt auch.“ Tja, 1929 waren wohl nicht einmal die Großeltern der aktuellen Kleeblatt-Helden auf der Welt. Sei’s drum. Auch Matchwinner Occean lebt lieber in der Neuzeit: „Das war das wichtigste Tor meiner Karriere.“
Kleine indes fühlte sich plötzlich nicht mehr ganz so wohl. Klar, wenn man von amtswegen die Spaßbremse geben muss: „Na ja, groß feiern werden wir nicht können. Schließlich steht am Sonntag schon das Zweitliga-Spitzenspiel gegen Paderborn an.“
Zuvor steigt freilich die Auslosung fürs Halbfinale. Wie wär’s denn mit Borussia Dortmund als Heimspielgegner? Am 4. August 1990 hatte das Kleeblatt als Landesligist, damals die vierthöchste Klasse, den aktuell amtierenden Meister in Runde eins mit 3:1 düpiert.
Oder doch Gladbach? Oder die Bayern? Schröck ist’s herzlich egal: „Kommen die Bayern, schlagen wir die. Kommt ein anderer, dann eben den.“ Frei nach dem Motto: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ MaC, mh