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Von PAUL WINTERER (dpa) 15.02.2012

Kakerlaken und Mäusedreck - Schafft Müller-Brot den Neuanfang?

Am Freitag, den 17. Februar, entscheidet sich das Schicksal der nach einem einzigartigen Hygieneskandal geschlossenen Bäckerei Müller-Brot. Dabei geht es auch um die Zukunft von 1100 Beschäftigten.

NEUFAHRN Gespannt werden sich die Blicke am Freitag, den 17. Februar, auf die Produktionshallen der Großbäckerei Müller-Brot in Neufahrn bei Freising richten. Lebensmittelkontrolleure nehmen dann die riesigen Rührbottiche, Backöfen und Förderbänder akribisch unter die Lupe. Mäusekot und Maden dürfen sie dabei nicht finden, denn sonst wäre die heiß ersehnte Genehmigung zur Wiederaufnahme des Betriebes Makulatur. Nach dem einzigartigen Hygieneskandal um Mäusedreck und Kakerlaken in Backzutaten steht die Produktion bei dem einstigen weiß-blauen Vorzeigeunternehmen seit zweieinhalb Wochen still.

Müller-Brot muss Millionenverluste verkraften. Beschäftigte befürchten einen massiven Stellenabbau, sollten die Kunden um die Brezn und Brote aus Neufahrn auch nach dem Generalsaubermachen einen weiten Bogen machen. Doch nicht nur für die 1100 Mitarbeiter der Brotfabrik, auch für die Lebensmittelbehörden geht es um viel. Sie müssen verloren gegangenes Vertrauen in die strenge Kontrolle des Grundnahrungsmittels Brot und Kulturgutes von biblischer Bedeutung zurückgewinnen.

Jahrelang hatten sich Mäuse, Motten und Schaben in der Fabrik so groß wie sieben Fußballfelder häuslich eingerichtet. Seit Juli 2009 kontrollierten die Lebensmittelbehörden die Produktionsanlagen 21 Mal, ließen Schmuddelware mehrmals vernichten, sprachen Buß- und Zwangsgelder von zusammen fast 70 000 Euro aus. In mindestens drei Fällen waren die Brezn und Brote schon in den Läden - ob auch in den Mägen der Kunden, wollen die Aufsichtsbehörden nicht sagen.

Doch zur Schließung der Fabrik und zaghaften Aufklärung der Verbraucher kam es erst am 30. Januar 2012. „Die rechtlichen Voraussetzungen hierfür waren nicht gegeben“, heißt es lapidar beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf die Frage, warum der Schritt nicht schon früher erfolgte.

Wütend sind vor allem die Verbraucher. Fahrer von Müller-Brot-Lastern müssen sich beschimpfen lassen, sogar Autoscheiben wurden schon eingeschlagen. Der Discounter Lidl hat seine Aufträge storniert, andere Großkunden wollen angeblich nachziehen. Verzweifelte Pächter von Müller-Brot-Filialen, die nicht einmal mehr die derzeit zugekaufte Fremdware anderer Großbäckereien loswerden, solidarisieren sich und lassen sich anwaltlich beraten.

In den vergangenen zwei Wochen haben die Mitarbeiter von Müller-Brot geputzt und geputzt. Sogar Umbauten wurden vorgenommen, um künftig die Maschinen besser reinigen und dem Ungeziefer zu Leibe rücken zu können. Immerhin geht es um 54 000 Quadratmeter Fläche. Mit dem Getreide-„Papst“ und Professor Thomas Becker von der Technischen Universität München hat sich das Unternehmen externen Beistand geholt. „Müller-Brot stellt die Produktion in Neufahrn grundlegend auf den Prüfstand, um am Ende das Vertrauen der Verbraucher wiederzugewinnen“, heißt es auf der Firmen-Homepage. Am Freitag schlägt der Großbäckerei die Stunde der Wahrheit. Gewerkschafter Mustafa Öz hofft auf grünes Licht: „Wenn nicht, wäre das eine Katastrophe.“

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