von SEBASTIAN MÜLLER
22.02.2012
Die Facebook-Kommissare
Ermittelt die mittelfränkische Polizei bald auch in sozialen Netzwerken?
NÜRNBERG Fahndung 2.0: Wo virtuelle Gauner längst aktiv sind, will bald auch die bayerische Polizei ermitteln. Soziale Netzwerke bieten dem Kommissar Facebook ungeahnte Möglichkeiten: Profile von Tatverdächtigen durchsuchen, verdächtige Postings sichern, Zeugen aufstöbern. Als erstes Bundesland setzt bereits Niedersachsen auf den Einsatz von Facebook bei Fahndungsaufrufen.
In Hannover hat Facebook zu acht Erfolgen geführt. Darunter war die Festnahme eines Sex-Täter. Und ein verschwundenes Kind wurde gefunden. Der Facebook-Auftritt der Polizei Hannover hat inzwischen fast 100.000 Fans. 69 Prozent der Nutzer seien laut dem niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zwischen 18 und 34 Jahren alt. Diese Gruppe sei durch die klassische Fahndung – etwa bei der Suche nach Zeugen – über Tageszeitungen kaum noch zu erreichen. Schünemann erwartet, dass die Innenministerkonferenz bei der Facebook-Fahndung dem niedersächsischen Vorbild folgen werde.
In Bayern ist man da noch nicht so weit. „Wir haben eine Expertengruppe einberufen, die ein Konzept erarbeitet hat", bestätigte Michael Siefener, Sprecher des bayerischen Innenministeriums auf AZ-Anfrage. Erste Ergebnisse sind jetzt schon bekannt.
So sollen Facebook und Co. vor allem bei der Fahndung, bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Prävention (der Verhinderung von Straftaten), und der Nachwuchs-Werbung genutzt werden. „Es handelt sich hier um eine diffiziele Thematik", betonte Siefener, „Detailfragen über den Datenschutz müssen erst noch geklärt werden." Natürlich böten soziale Netzwerke große Chancen, doch die Arbeit im Web 2.0 müsse natürlich rechtlich abgesichert sein – sodass etwa Hinweise aus Profilen oder Diskussionen auch vor Gericht verwertet werden können. „Hier sind noch Abstimmungen mit dem bayerischen Justizministerium nötig", erklärte Siefener. Bislang haben die Internet-Fahnder der bayerischen Polizei vor allem Erfahrungen im Bereich der Kinderpornografie. „Dies ist nur eine kleine Facette der Netzwerkfahndung", so Siefener. Im Landeskriminalamt gibt es für den Bereich Kinderpornografie eine eigene Dienststelle. Die künftigen Facebook-Kommissare müssen natürlich auch entsprechend ausgebildet werden: „Es ist denkbar, dass es hier später spezialisierte Fortbildungen geben wird", so Siefener.
Die Sprecherin des Nürnberger Polizeipräsidium, Elke Schönwald, reagierte auf AZ-Anfrage zurückhaltend auf das Thema. „Wir werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe des Innenministeriums abwarten", sagte sie. Immerhin gibt es unser mittelfränkisches Polizeipräsidium im „normalen" Internet. Es ist erreichbar unter:
www.polizei.bayern.de/mittelfranken