von STEFANIE SCHALLER
22.02.2012
Ein Mathe-Genie aus Nürnberg
Kevin (17) knackt jede Aufgabe - und sahnte beim Bundeswettbewerb in Berlin nun schon zum zweiten Mal ab
NÜRNBERG/BERLIN Komplexe Gleichungen, Formeln, Zahlenreihen: Wo viele Schüler aussteigen, fängt für Kevin Höllring (17) aus Nürnberg der Reiz erst an. Der Abiturient vom Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasium knackt nahezu jede Mathe-Aufgabe. Beim Bundeswettbewerb Mathematik 2011 (BWM) schaffte Kevin den Sprung an die Spitze Deutschlands – schon zum zweiten Mal in Folge!
Schon als Kind war Kevin außergewöhnlich begabt: „Meine Mutter erzählt oft die Geschichte vom Küchen-Quelle-Katalog.“ Beim Blättern rechnete ihr Kevin plötzlich vor, wie viel sie beim Kauf sparen könne. Er hatte völlig recht, obwohl er noch nicht mal die Schule besuchte! „In der 8. Klasse habe ich meine Begeisterung für Kombinatorik und Zahlentheorie entdeckt“, erinnert sich das Mathe-Talent. Wettbewerbe und Siege ließen nicht lang auf sich warten.
Doch der Wechsel zwischen Rechen-Olympiaden und Schulalltag fiel ihm oft nicht leicht, zwei Welten prallten aufeinander. „Mathematiker unter sich reden anders – logischer und analytischer“, berichtet Kevin, den zu den Wettkämpfen sein Stofftier-Maskottchen „Mathematiger“ begleitet.
2011 beglückwünschte Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Schirmherr des Bundeswettbewerbs, den Nürnberger sogar persönlich. „Das war ein einmaliges Erlebnis im Schloss Bellevue“, so Kevin. Wulff habe von seinen Kindern erzählt und dass er sich gar nicht für Mathe begeistern könne. „Das fand ich völlig unpassend.“
Wenn Kevin nicht gerade knifflige Aufgaben löst, spielt er Fußball oder fährt Moped. Auf Juli freut er sich besonders: „Dann bin ich 18 und kann endlich Motorrad fahren.“
Sein nächstes Ziel ist die Internationale Mathe-Olympiade in Argentinien. Die ersten Hürden hat er bereits genommen – trotz Abi. „Die Frage ist nicht, ob ich’s schaffe, sondern wie“, sagt der 17-Jährige. Da er Mathe und Physik studieren will, sei der Abi-Schnitt nicht so wichtig. Kevin könnte dann in die Fußstapfen früherer BWM-Gewinner treten, die Karriere an Universitäten und in Top-Firmen machten.