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22.02.2012

Gedenkstätte für NSU-Opfer

Hinterbliebene der Nazi-Toten wollen ein Mahnmal – in München oder in Nürnberg?

NÜRNBERG „Irgendwann will ich abschließen und endlich wieder ruhig schlafen können.“ Was am 9. September 2000 passiert ist, hat Semiya Simsek bis heute nicht verarbeitet. Ihr Vater fiel den grausamen Nazi-Killern zum Opfer, vor elf Jahren wurde er in seinem Lieferwagen in Nürnberg-Langwasser überrascht, mit acht Schüssen hingerichtet. Seine Familie hat bis heute stark mit dem Verlust zu kämpfen. Seit sie weiß, dass Rechtsextreme ihren Vater auf dem Gewissen haben, ist Semiyas Trauer noch größer geworden. „Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass jetzt endlich alles hundertprozentig aufgeklärt wird“, so die 25-Jährige im Interview mit SAT1.

Wie Semiya Simsek leiden auch andere Angehörige der Nazi-Toten noch Jahre nach der Tat. Jetzt fordern sie eine öffentliche Gedenkstätte für die Opfer der Zwickauer Terrorzelle. Die Einrichtung eines solchen Ortes würde ein Zeichen setzen, weiß die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen, Barbara John. Sie schenkt insgesamt 66 Betroffenen jederzeit ein offenes Ohr, steht den Familien der Opfer tröstend zur Seite. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass diese Mordserie nach den Morden der RAF den zweitschlimmsten Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik markiert.“

Die Hinterbliebenen wollten daran mitwirken, dass der Rassismus zurückgedrängt wird, sagte John. Viele wünschten sich daher einen öffentlichen Gedenkort für ihre Angehörigen. „Vorbei und vergessen, das darf auch aus meiner Sicht nicht geschehen“, mahnte sie.
Da fünf der Nazi-Morde in Bayern verübt worden seien, habe sie bereits in München angefragt, ob die dortigen Behörden bereit wären, eine solche Gedenkstätte zu schaffen, sagte John. Auch ein anderer Ort sei noch denkbar, betonte sie. In Nürnberg mussten insgesamt drei türkische Männer ihr Leben lassen. Ein Mahnmal wäre also auch hier passend.

Am Donnerstag findet in Berlin die zentrale Gedenkfeier für die Opfer der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle statt. Hauptrednerin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein, auch der designierte Bundespräsident Joachim Gauck wird kommen. Die Terrorzelle wird für zehn Morde und zwei Nagelbomben-Attentate verantwortlich gemacht. John hofft, dass auch nach der Gedenkfeier die Anteilnahme an den Verbrechen nicht gleich wieder abebbt. Rassistische Menschenfeindlichkeit finde in Deutschland nach wie vor einen Nährboden.

Was Nürnbergs dienstältester Stadtrat und NS-Überlebender Arno Hamburger von einem Mahnmal hält, steht in der Printausgabe Ihrer AZ am 23.2.

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