von HELMUT REISTER
03.02.2012
Wer half dem Nazi-Trio aus Zwickau?
Nur ein bestens Ortskundiger konnte die Nürnberger Morde ausspähen
Von Helmut Reister
NÜRNBERG Die Neonazi-Bande aus Zwickau, die von der Bundesanwaltschaft für die entsetzliche Mordserie (10 Opfer) quer durch Deutschland verantwortlich macht, hatte einen Helfer in Nürnberg. Davon sind die Ermittlungsbehörden bei der Analyse des von Menschenverachtung geprägten Kriminalfalls überzeugt. Identifizieren konnten sie ihn trotz aller Bemühungen bisher nicht.
Im September 2000 wurde in Langwasser der Blumenhändler Enver Simsek (37) erschossen. Es war der Auftakt der Mordserie, der bis 2006 acht türkische und ein griechischer Geschäftsmann zum Opfer fielen. Weil auch das zweite Opfer, der Änderungsschneider Abdurran Özüdogru (49), und später (5. Juni 2005) der Imbissbuden-Besitzer Ismail Yasar (50) aus Nürnberg stammen, drängte sich ein enger Bezug zur Region regelrecht auf.
Weit entfernt von den tatsächlichen Hintergründen der Verbrechensserie und lange vor derem Ende fertigten Experten des Landeskriminalamtes ein Täterprofil an. Zwar weiß man jetzt, dass Uwe Mundlos, Uwe Bonhardt und Beate Zschäpe aus Thüringen die Morde begangen haben dürften, aber die genauen Ortskenntnisse, die dafür notwendig waren, fielen den Profilern schon damals auf.
Zehn Wochen nach der Enttarnung des Killer-Trios und intensivster Aufklärungsarbeit sind die Ermittlungsbehörden mehr denn je davon überzeugt, dass zwischen der mörderischen Untergrund-Gang aus Zwickau und Nürnberg engmaschige Veflechtungen bestehen. Die erstaunlichen Ortskenntnisse, die die Existenz eines lokalen Helfers belegen, blitzten im Zuge der neuesten Ermittlungen immer wieder auf.
Wer gab die umfangreichen Daten über spätere Opfer an die Neonazis in Thüringen weiter? Mehr steht dazu in der Printausgabe Ihrer AZ.