von SEBASTIAN MÜLLER
17.02.2012
Innenminister steht vor Todesrätsel
Joachim Herrmann stellt in Nürnberg die Verkehrsunfall-Statistik vor: Warum gibt's ausgerechnet im August und im Dezember so viele Tote?
NÜRNBERG Mehr Tote, mehr Schwerverletzte – dafür weniger Unfälle im Freistaat: So lautet die Bilanz der Unfallstatistik, die gestern ein besorgter Innenminister im Nürnberger Polizeipräsidium vorgestellt hat. „Die Zahl der Verkehrstoten im letzten Jahr ist mit 778 bedauerlich“, sagte Joachim Herrmann. 2010 verunglückten 697 Menschen tödlich. Im Vergleich zu 2010 starben 2011 somit 81 Verkehrsteilnehmer (11,6 Prozent) mehr!
Auffällig: Im August und Dezember gab es eklatant viele Verkehrstote. Warum, kann niemand sagen – selbst der Minister steht vor einem Rätsel. „Wir haben weniger Unfälle, aber bei den Unfällen dramatischere Folgen“, so Herrmann weiter. Doch erklären könne sich das Phänomen derzeit niemand. „Dies entspricht auch dem traurigen bundesweiten Trend – doch es gibt keine schlüssige Erklärung.“ Die absolute Zahl der Unfälle sank von 357.000 auf 350.000.
Die AZ erklärt die wichtigsten Punkte der Statistik:
Ursachen: Raserei (32%), Fahrfehler (24%), Vorfahrtsfehler (13%) und Alkohol (12%) waren die häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle. 93 Getötete waren nicht angeschnallt! Todes-Straßen: 80 Prozent der Todes-Unfälle ereigneten sich außerhalb von geschlossenen Ortschaften – etwa auf Landstraßen. Auf Autobahnen kamen 79 Menschen ums Leben, auf Staatsstraßen 230.
Todes-Monate: Im August und Dezember 2011 gab es auffällig viele Tote: Im August stieg die Zahl von 56 auf 81 (+25), im Dezember von 47 auf 82 (+35). Doch keiner weiß, warum. Selbst der renommierte Nürnberger Verkehrsexperte und Soziologe Dr. Walter Funk hatte keine schnelle Erklärung für den mysteriösen Anstieg der tödlichen Unfälle in den Monaten August und Dezember. „Hier ist eine differenzierte Betrachtung nötig, monokausale Erklärungen wären nicht seriös“, so Funk.
Tote Radfahrer: Von August bis Dezember starben 42 Radler, 20 mehr als 2010 – die Radlsaison war 2011 einfach länger.
Tote Motorradfahrer: Die Zahl war mit 159 um knapp 19 Prozent höher als im Vorjahr mit 134 – auch hier könnte das gute Wetter eine Rolle spielen.
Tote Kinder: 13 Kinder starben 2011 bei Verkehrsunfällen. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzählungen.
Junge Fahrer: 2011 war mit 37.500 Unfällen der niedrigste Stand seit 2003. Experte Funk lobte in dem Zusammenhang die bayerische Verkehrssicherheitsarbeit und das „Begleitete Fahren“ für Fahranfänger ab 17 Jahren: „Junge Menschen die an dieser Maßnahme teilnehmen haben als 18-Jährige eine um 20 Prozent niedrigere Unfallwahrscheinlichkeit.“