von MICHAEL REINER
12.01.2012
Geldregen für neue VAG-Bosse
180.000 Euro Jahresgehalt plus Bonus-Zahlung - die Mitarbeiter finden’s gar nicht gut
NÜRNBERG „Das durchaus stattliche Gehalt sollte Motivation genug sein!" Frank Riegler, der für die Gewerkschaft Ver.di die Interessen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der VAG vertritt, lehnt Bonus-Zahlungen für die neuen Bosse des Verkehrsbetriebs ab. Derzeit werden Nachfolger für VAG-Vorstand Müller gesucht, der Mitte des Jahres in den Ruhestand geht. Bei der Suche nach dem Top-Personal geht es auch um einen erfolgsabhängigen Zusatzverdienst in Höhe von einigen zehntausend Euro nach dem Motto: Je pünktlicher die Busse und Bahnen fahren, desto mehr Kohle gibt’s.
Rund 180.000 Euro brutto verdient ein VAG-Vorstand im Jahr. „Ich halte es für falsch, dass jetzt über einen Bonus für Dinge verhandelt wird, die eigentlich der normale Job sind", sagt Riegler. Seiner Meinung nach sollten die Bosse auch so bemüht sein, dass Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit verbessert werden und mehr Fahrgäste zusteigen. „Ich werde solchen Zuschlägen im Aufsichtsrat widersprechen!" Zumal die Fahrer in den vergangenen Jahren zu immer schlechteren Bedingungen arbeiten und sogar mit Lohnkürzungen im neuen Tarifvertrag leben müssen. Klar, dass den Mitarbeitern solche Lösungen sauer aufstoßen.
Am 25. Januar trifft sich der Aufsichtsrat
Auch SPD-Fraktions-Chef Christian Vogel ist nicht wohl bei den Verhandlungen über die Boni. „Aber wenn wir qualitativ gute Leute bekommen wollen, dann müssen wir uns in diese Richtung bewegen. Wir können ihr Gehalt nicht deutlich erhöhen. Also müssen wir über leistungsabhängige Bestandteile des Gehalts sprechen." Vogel rechnet damit, dass auch bei städtischen Töchtern wie der Messe, dem Flughafen oder den Städtischen Werken Boni künftig Teil der Gehaltsverhandlungen sein werden.
„Wir liegen mit unseren Vorstandgehältern um 25 Prozent unter dem, was in vergleichbaren Verkehrsbetrieben angeboten wird", sagt VAG-Aufsichtsrats-Chef Michael Reindl. Der CSU-Stadtrat führt derzeit die Verhandlungen mit den Kandidaten. „Aktuell wird es in den neuen Verträgen keinen Leistungszuschlag geben", sagt er und kündigt an, „dass wir mittelfristig jedoch nicht ohne sie auskommen werden".
Deshalb müsse nun bald festgelegt werden, an welchen Kriterien sich die Boni orientieren. „Da erscheint mir die Kundenzufriedenheit als der beste Faktor." Am 25. Januar trifft sich der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung. Dann werden die neuen Chefs bestimmt – und über mögliche Gehaltszuschläge diskutiert.