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von HELMUT REISTER 26.01.2012

Gift im Nürnberger Silbersee: Sanierung zu teuer

Die Stadt hat kein Geld, doch die Rathaus-Grünen wollen die Zeitbombe endlich entschärfen

NÜRNBERG Wie gefährlich ist der giftige Abfall wirklich, der in den Jahren nach dem Krieg am Rand des Reichsparteitagsgeländes abgelagert wurde? Wissenschaftler der Universität Erlangen haben festgestellt, dass hochtoxische Stoffe wie Arsen sogar das Grundwasser belasten.

Ein Gradmesser für die Gefahr ist der Silbersee, die vollgelaufene Baugrube des von den Nazis geplanten „Deutschen Stadions“. In dem Gewässer starben seit Kriegsende 45 Menschen durch Schwefelwasserstoff-Schwaden.

Sie bilden sich durch chemische Prozesse im Müll, der in den 50er und 60er Jahren in gewaltigen Mengen in dem Gebiet abgelagert wurde. Problematische Industrieabfälle waren  dabei, sogar übriggebliebene Kampfstoffe aus dem Krieg. Das Gift läuft in den Silbersee, durchtränkt den Boden und gelangt so ins Grundwasser.

Stadtrat Gerald Raschke, Umweltexperte der SPD, ist mit dem Problem vertraut. Trotzdem sieht er keinen akuten Handlungsbedarf. Zur AZ sagte er: „Wichtig ist, dass das Trinkwasser davon nicht betroffen ist.“ Einräumen muss er allerdings auch, dass eine mögliche Sanierung des Gift-Geländes für die Stadt nicht finanzierbar wäre.

Für Christine Seer, die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Stadtrat, ist das Problem noch längst nicht vom Tisch. „Wir können diese tickende Zeitbombe nicht einfach sich selbst überlassen“, mahnt sie mit Blick auf die Kontaminierung des Grundwassers.

Mit der Unterstützung von Günther Stephan kann die Politikerin nicht rechnen. Für den Vorsitzenden des Kleingartenvereins „Zeppelinfeld“ ist das Gift vom benachbarten Silberbuck kein Thema. Zur AZ sagte er unumwunden: „Das interessiert uns nicht.“

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