08.02.2012
Das Stehaufmännchen
In Bamberg feiert Tommy Haas sein Comeback im Davis Cup
BAMBERG Wenn Tommy Haas sein T-Shirt lupft, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen, ist sein Ehrgeiz deutlich zu erkennen. Straffe Bauchmuskeln, angeordnet zum sogenannten „Six-Pack“, zieren seinen Körper. Vorbei die Zeiten, als die „Bild“ vom „Waschbärbauch“ beim früheren Zweiten der Tennis-Weltrangliste schrieb. Vor dem Davis-Cup-Duell am Wochenende gegen Argentinien in Bamberg ist Haas körperlich in Topform. „Ich fühle mich so gut wie lange nicht mehr“, sagte der 33-Jährige. Dabei schien seine Karriere im letzten Jahr bereits beendet.
14 Monate fehlte der gebürtige Hamburger nach einer Hüft-Operation bis April 2011. Eine Ewigkeit für einen Tennisspieler in seinem Alter. Bereits 2003 hatte Haas 15 Monate mit einer Schulterverletzung aussetzen müssen. Seit Beginn seiner Laufbahn wird Haas von Rückschlägen verfolgt, er ist immer wieder aufgestanden und der erfolgreichste deutsche Spieler der „Nach-Becker-Ära“.
„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch nicht zu Ende sein soll“, sagte Haas vor seinem Davis-Cup-Comeback. Mehr als vier Jahre hatte er nicht im Aufgebot gestanden. Die Nationalmannschaft entfachte bei Haas immer zusätzliche Leidenschaft: „Es ist einfach eine riesige Geschichte für sein Land zu spielen. Heute genieße ich das nach meinen Verletzungen umso mehr.“ In Bamberg passen muss dagegen Philipp Kohlschreiber, den ein Magen-Darm-Virus plagt.
Der Davis Cup ist aber nicht der einzige Grund, der Haas antreibt, im Spätherbst seiner Karriere sich noch immer auf dem Platz zu quälen und trotz Frau und Tochter um die Welt zu fliegen – immer auf der Jagd nach Ranglistenpunkten. Der Silbermedaillen-Gewinner von Sydney 2000 will weiter schuften. Zum einen, damit ihn seine Tochter Valentina einmal bewusst auf der Tour wahrnehmen kann. Zum anderen spürt Haas, dass er noch mithalten kann wie bei seiner Dreisatz-Niederlage gegen Rafael Nadal bei den Australian Open. Nadal: „Tommy ist ein fantastischer Spieler. Es ist toll, ihn nach so vielen Verletzungen zurückzuhaben.“