23.01.2012
Versöhnliches Jubiläum
2:0 gegen Berlin hebt Stimmung bei Club-Fans. Torschütze Maroh: „Ein erster Schritt“
NÜRNBERG Es ging um Ruhm, Ehre, aber besonders um Versöhnung. Obwohl ein unbekanntes Club-Orakel den 2:0-Sieg gegen Hertha BSC Berlin am Samstag exakt vorausgesehen und bereits vor Anpfiff auf dem Spielball verewigt hatte, standen die Mannen von FCN-Trainer Dieter Hecking beim ersten Heimspiel im neuen Jahr mächtig unter Druck. Zum Start der beim Club nach der bitteren Derby-Pleite gegen Fürth unter dem Namen Wiedergutmachungs-Tournee firmierenden Rückrunde zählte für Heckings Schützlinge gegen Berlin nur ein Sieg, um das zuletzt arg strapazierte Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans zu kitten.
Kein Wunder, dass FCN-Verteidiger Dominic Maroh nach dem über 90 Minuten hart erarbeiteten Heimerfolg über die Hertha aus der Hauptstadt sichtlich erleichtert strahlte: „Den ersten Schritt haben wir gemacht.“
Der Innenverteidiger hatte selbst einen erheblichen Anteil daran, dass aus dem mit viel Tamtam begangenen 1000. Bundesliga-Spiel des Club am Ende ein recht versöhnliches Jubiläum wurde. In der 85. Minute hatte „Domme“ eine Maßflanke des Neuzugangs Adam Hlousek über die Linie zum erlösenden 2:0 bugsiert – und war daraufhin mit den Kollegen im Schlepptau in die Nordkurve gestürmt. Keine Selbstverständlichkeit nach den deutlich vernehmbaren Pfiffen vor Anpfiff. „Das war auch ein Zeichen an die Fans, dass wir verstanden haben und Besserung geloben“, erklärte der 24-Jährige seinen spontanen Jubellauf und grinste: „Ich bin eben sehr emotional. Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass ich ein Tor schieße. Außerdem ist mit den Fans zu feiern eh am Besten!“ Aushilfs-Rechtsverteidiger Jens Hegeler ergänzte: „Gegen Fürth haben wir einiges an Unterstützung verbockt. Das müssen wir uns jetzt Spiel für Spiel zurückholen!“
Den ersten Freudentaumel auf den Rängen hatte in Durchgang eins Alex Esswein (43.) mit seinem satten 23-Meter-Kracher (77 km/h) ausgelöst. „Das 1000. Bundesligaspiel war für den Verein sicher sehr wichtig. Ich freue mich, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte“, sagte Esswein, der bis dato jedoch nicht sonderlich überzeugt hatte – und sich dann doch als Matchwinner bezeichnen lassen durfte. Dusel für den U21-Nationalspieler, dass Berlins Innenverteidiger Roman Hubnik den Ball abfälschte.
Club-Coach Hecking war’s egal. Der erhoffte Heimdreier war eingefahren und seine Maßnahmen hatten gegriffen. „Natürlich war der eine oder andere Fehlpass zu viel dabei. Aber dafür haben wir versucht, Fußball zu arbeiten“, lobte der 47-Jährige besonders den Kampfgeist seiner Schützlinge, die die Vorgaben ihres Trainers „gut umgesetzt hatten“. Besonders was das neu einstudierte 4-4-2-System angeht. Gegen die zugegebenermaßen arg harm- und einfallslosen Aufsteiger legten seine Eleven mehr Offensivdrang als zuletzt an den Tag. Diesen konnte sein neuformiertes Sturmduo Tomas Pekhart und Christian Eigler zwar noch nicht in Tore ummünzen, trotzdem resümierte Hecking zufrieden: „Wir hatten deutlich mehr Tormöglichkeiten als zuletzt.“
Für Hecking ist „die unnötige Derby-Niederlage“ mit dem Auftakt-Dreier zwar noch nicht abgehakt, aber „in der Bundesliga hat die Mannschaft in die Spur gefunden. Noch 16-mal das Gleiche, dann haben wir unser Ziel erreicht.“ Den Klassenverbleib – und die endgültige Versöhnung mit den Fans.
Mehr über den Club und das Debüt von Adam Hlousek lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Montag, 23. Januar.