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von MARCUS GIEBEL 16.02.2012

Guter Rat ist nicht teuer!

Schäfers Rundumschlag nach dem Augsburg-Spiel hat für Aufsehen gesorgt. Was sagen die Ex-Cluberer Reisch, Eckstein, Schwabl und Brunner dazu?

NÜRNBERG Mit seiner harschen Kritik an den Mitspielern nach dem torlosen Grottenkick in Augsburg hat Club-Käpt’n Raphael Schäfer für Aufsehen gesorgt. Der 33-Jährige vermisst die richtige Einstellung im Abstiegskampf und holte zu einem Rundumschlag aus: „Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei kommen wir da unten nicht raus. Wir müssen Fußball arbeiten.“

Das saß! Nach Wochen, in denen solche Geschütze allenfalls intern aufgefahren worden waren, sorgte Schäfer für einen Paukenschlag. Zu Recht? Oder hätte Rapha sich besser intern auskotzen sollen?

Die AZ hat sich bei vier Ex-Cluberern umgehört. Siehe da: Guter Rat ist gar nicht teuer!

Ist Schäfers öffentliche Kritik für Sie nachvollziehbar?
Steff Reisch (70/Meister 1961 und Pokalsieger 1962 mit dem Club): „Als Kapitän muss er auch Mal auf den Tisch hauen. Die erste Hälfte in Augsburg war unterirdisch.“
Dieter Eckstein (47/Fan-Idol und Aufstiegsheld 1985): „Er ist ein erfahrener Spieler, den jede Mannschaft gebrauchen kann. Nach so einem Spiel musste er einfach mal Dampf ablassen.“
Manni Schwabl (45/133 Bundesligaspiele und neun Tore für den Club): „Die Rolle als Kapitän verpflichtet zu klaren Worten, wenn er das Projekt in Gefahr sieht. Gut, dass er die Defizite frühzeitig angesprochen hat.“
Thomas Brunner (49/mit 328 Einsätzen Bundesliga-Rekordspieler des Club): „Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es an der Einstellung der Spieler mangelt.“

Ist die Art der Kritik hilfreich, oder kann sie die Spieler hemmen?
Reisch: „Die Spieler müssen wissen, dass sie zu weit vom Gegner weg standen. Ich konnte gar nicht fassen, wie sie dort aufgetreten sind.“
Eckstein: „Das darf niemanden hemmen. Wenn zu meiner Zeit Andy Köpke aufgeschrien hat, hast du im nächsten Spiel die Arschbacken zusammengekniffen und warst besonders motiviert.“
Schwabl: „Das muss ein positiver Denkanstoß sein. So kann sich jeder in seinem stillen Kämmerlein überlegen, ob er alles für das Ziel tut.“
Brunner: „Unabhängig von der Kritik ist eine klare Reaktion erforderlich. Das Team muss die Kurve kriegen.“

Was muss sich ändern?
Reisch: „Die Einstellung. Ich begreife auch nicht, warum Trainer Hecking seine Startelf ständig verändert.“
Eckstein: „Einige Spieler rufen ihre Leistung nicht ab. Es ist keiner da, der für viele Tore in Frage kommt. So gewinnt man nun Mal kein Spiel. Nur: Wer soll die Tore machen?“
Schwabl: „Sie müssen sich auf ihre Stärke besinnen, die mannschaftliche Geschlossenheit. Das ist der Trumpf.“
Brunner: „Leider sind die meisten Spieler nicht selbstkritisch, sondern wälzen alles gleich ab. Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen.“

Bleibt der Club in der Bundesliga?
Reisch: „Er schafft es, denn es gibt Gott sei Dank noch schlechtere Mannschaften. Aber die Jungs müssen viel aggressiver in die Spiele gehen. Nur wer Zweikämpfe gewinnt, kann als Sieger vom Platz gehen. “
Eckstein: „Davon gehe ich aus. Der Club muss zu Hause seine Spiele gewinnen. Ein Abstieg wäre katastrophal.“
Schwabl: „Ich bin felsenfest davon überzeugt. Sie haben schon bewiesen, dass es in der Mannschaft stimmt.“
Brunner: „Ja, denn vor Kaiserslautern, Freiburg und Augsburg braucht sich die Mannschaft nicht zu verstecken. Auch andere Teams werden ins Trudeln kommen.“

Vier Ex-Stars, viele gute Ratschläge. Einigkeit herrscht besonders in der (Nicht-)Abstiegsfrage. Die Kritik von Schäfer hält einzig Brunner für unangebracht. Auf jeden Fall kommt auf den Club eine Menge Arbeit zu: Einstellung, Torabschluss, Zusammenhalt, Selbstkritik – es gibt allerhand zu verbessern.

Was Simons zu Schäfers Kritik sagt und in welcher Rolle Nilsson dem Club gegen Köln helfen will, lesen Sie in der Printausgabe Ihrer AZ vom 16. Februar.

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