von KRISCHAN KAUFMANN
19.02.2012
Hurra, sie treffen noch!
Gegen Köln beweisen die Club-Profis Esswein und Pekhart, dass sie ihre Lektion gelernt haben. Trainer Hecking sieht aber noch viel Arbeit auf sich zukommen
NÜRNBERG 303 lange Minuten warteten die Club-Profis bereits auf das nächste Tor – bis Alexander Esswein am Samstagnachmittag in der 28. Minute den Ball beim 2:1 gegen Köln aus 17 Metern unhaltbar für FC-Keeper Michael Rensing mit satten 96 km/h zum 1:0 in die Maschen jagte. Ein Schuss wie ein Befreiungsschlag. Zugleich die passende Antwort auf die zuletzt lauter werdenden Kritiker, die Esswein und den späteren Siegtorschützen Tomas Pekhart, Problemfall Nummer zwei (85.), bereits abgeschrieben hatten. Hurra, sie treffen noch!
Kein Wunder, dass Alex hinterher erleichtert strahlte: „Mir ist schon ein großer Stein vom Herzen gefallen!“ Wohl eher ein ganzes Gebirge, wenn man seinen 30 Meter-Jubelsprint nach dem Tor zu Kumpel Daniel Didavi als Indiz nimmt.
U21-Nationalspieler Esswein und sein tschechischer Kompagnon Pekhart hatten seit Wochen eher durch das Auslassen bester Möglichkeiten als durch Kaltschnäuzigkeit Aufsehen erregt. Selbst FCN-Trainer Dieter Hecking hatte seine Fahrkartenschützen zuletzt öffentlich angezählt. Pekhart war beim 0:0 in Augsburg leistungsbedingt zur Halbzeit ausgewechselt worden. Esswein hatte sich zuvor schon mit einem laschen Auftritt beim Abschlusstraining aus der Startelf gekegelt und dann nach seiner Einwechslung beim FCA erneut zweimal vor dem Tor die Nerven verloren.
„Vor dem Augsburg-Spiel hat’s mir gereicht. Ich hoffe, dass sie die Lektion nun verstanden haben“, erklärt der 47-Jährige, warum Alex & Co. gegen die Geißböcke nicht nur bei den Fans unter besonderer Beobachtung standen. Bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung am Samstag waren bereits Pfiffe von den Rängen für Pekhart zu hören.
Grund genug für Hecking seinen teuersten Neuzugang (1,7 Millionen Euro) nach dem eminent wichtigen Sieg, der nicht nur den Coach „vorsichtig optimistisch“ stimmt, demonstrativ in Schutz zu nehmen. „Er ist nun mal unser Front-Stürmer. Und der Club ist ein Verein, der länger zu seinen Angreifern steht, weil wir sagen: Das ist unser Mann.“
Tomas, der vermeintliche Chancentod, wollte von der Kritik nichts mitbekommen haben: „Ich lese keine Zeitung und habe keine Pfiffe gehört.“ Sein Trainer ist sich aber sicher: „Jeder Stürmer, der nicht trifft, fängt an zu grübeln. Aber Peki hat gespürt, dass wir hinter ihm stehen.“
Ob sich dieses Vertrauen auszahlt, wird sich in den nächsten Spielen zeigen müssen. Denn trotz Pekharts fünftem Saisontreffer, ganz abgehakt ist das Thema für Hecking noch nicht: „Dass es bei ihm teilweise noch etwas hölzern aussieht, dass er sich noch mehr behaupten muss, daran müssen wir sicher arbeiten.“ Womöglich auch noch ein wenig am Abschluss wie sein Last-Minute-Lattenknaller in der 90. Minute nahelegt. Dennoch hofft Hecking: „Vielleicht ist bei ihm der Knoten ja jetzt geplatzt!“
Die Noten zum Spiel, und wo Chandler den Rosenmontag verbringt, lesen Sie in der Printausgabe Ihrer AZ vom 20. Februar.